von Andreas Klotz, veröffentlicht in Aktivreisen
Dzanga Sangha: Eine Herausforderung für Individualreisende
Nur wirklich wenige Individualreisende besuchen das schwer zugängliche Dzanga Sangha Naturschutzgebiet im Südwesten der Zentralafrikanischen Republik (ZAR). Es ist wahrlich ein Paradies für viele Tiere geblieben, vor allem für Waldelefanten und die stark bedrohten Flachland-Gorillas.
Ich beschreibe hier nun unsere Anreise über Kamerun: Mit dem Flugzeug (Brussels Airlines) von Frankfurt über Brüssel nach Yaoundé (Hauptstadt von Kamerun), von dort mit dem Auto 3 Tage lang durch Kamerun - und zu guter letzt noch mit einem kleinen Boot über den Sangha-Fluss bis Bayanga bzw. zur Doli-Lodge.
Fahrt nach Dzanga Sangha: Holzlaster, Abong Mbang und Lomié
Keine Afrika-Reise ohne Reifenschaden! Uns erwischte es gleich am ersten Tag, kurz vor der kleinen Stadt Abong Mbang. Hier mussten wir dann auch einen Zwischenstopp einlegen, um einen neuen Ersatz-Reifen zu besorgen. Nur ganz nebenbei: Neue Reifen gibt es hier natürlich nicht, irgendein alter, verstaubter Reifen wurde rausgekramt, geflickt, im Ölfass-Wasserbad auf Dichtigkeit getestet, und schließlich (wie bei uns Fahrradreifen) mit Hilfe von 2 Eisenstangen auf die Felge montiert. Wir waren dadurch spät dran, gerieten in die Dunkelheit, kamen aber sicher in Lomié an.
Fahrt nach Dzanga Sangha: Von Brüssel nach Yaoundé
Die Flugzeit von Brüssel bis Yaoundé beträgt ungefähr sechseinhalb Stunden. Brussels Airlines bietet Direktflüge zu sehr angenehmen Flugzeiten an. Ankunftszeit war gegen 18 Uhr Ortszeit. Im Winter gibt es keine Zeitverschiebung zwischen Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Mitteleuropa. Wir übernachteten im Drei-Sterne-Hotel "Merina" im Stadtzentrum von Yaoundé, ein für afrikanische Verhältnisse ordentliches Stadthotel.
Fahrt nach Dzanga Sangha: Holzfäller-Piste
Am Morgen des ersten Tages in Kamerun übernahmen wir die Allrad-Fahrzeuge vor dem Hotel, frühstückten in der Nähe im Restaurant "Dolce Vita" und begannen die Fahrt Richtung Osten. Die ersten 150 km sind noch geteerte Überlandstraße in verblüffend gutem Zustand (kaum Schlaglöcher). Dann beginnt die "Holzfäller-Piste" - und mit ihr kommt der omnipräsente rote Staub.
Am besten gibt man sich gleich geschlagen und erträgt es mit afrikanischer stoischer Ruhe: Der Staub ist in kürzester Zeit überall - wirklich überall. Taschen immer schließen, auch IM Auto sollten Sie den Deckel des Kamera-Objektivs immer drauf lassen, Brillenträger haben am besten immer ein Mikrofaser-Tuch zur Hand - Ihre Haarfarbe verändert sich.
Den ganzen Tag lang kamen uns in regelmäßigen Abständen große Holzlaster mit riesigen Baumstämmen entgegen. Die haben schon kaum alleine auf der Straße Platz - und da der "Klügere" (oder Kleinere?) nachgibt, bedeutet das auch schon mal ein Stück zurück zu fahren oder ins Gebüsch auszuweichen. Das Schlimmste an der ganzen Sache aber ist die Vorstellung, wie unendlich viel Holz aus diesen Wäldern abtransportiert wird - jeden Tag.
Mittagspause machten wir in einem namenlosen Holzfällerort. Hier stehen jede Menge fast identische Reihen-Holzhäuser (sogar mit Hausnummern). Das Besondere ist, dass diese Orte regelmäßig komplett abgebaut - und an einer anderen Stelle im Wald wieder aufgebaut werden.
Schließlich erreichten wir im schönsten Spätnachmittagslicht Yokadouma - die letze Bastion vor dem Nirgendwo. Danach kommt in Richtung Osten nur noch nahezu unberührter Tiefland-Regenwald. Wir checkten ein im "Hotel Elephant" - das erste Haus am Platz, allerdings auch das Einzige. Es gab keine Cola zu trinken (obwohl 500 Meter entfernt an der Tankstelle jede Menge davon zu kaufen war), das ist Afrika live! Wir trieben uns im Ort herum, besuchten den Markt, fuhren zu zweit mit einem Mofa-Taxi mit und genossen das letzte Licht des Tages. Über die Qualität der Zimmer sage ich nichts - das sagt hoffentlich alles!
Fahrt nach Dzanga Sangha: Doli-Lodge
Die Fahrt bis zum Grenzort Lidjombo dauerte ungefähr anderthalb Stunden, die Grenzformalitäten noch mal genauso lange. Die Weiterfahrt nach Bayanga bzw. bis zur Doli-Lodge dauert normalerweise noch mal ungefähr 1 bis 2 Stunden - in unserem Fall allerdings etwa 20 Stunden! Wir hatten einen Motorschaden, nach notdürftiger Reparatur und entsprechend längerer Fahrt mit halber Kraft schließlich kein Benzin mehr - und mussten auf einer kleinen Insel im Fluss - mitten im Regenwald - die Nacht verbringen. Das ist eine Geschichte für sich, es war ein spannendes und unvergessliches Erlebnis, eine typische Geschichte, die man eigentlich so fast nur in Afrika erleben kann.
Lesen Sie mehr über die Doli-Lodge, die Elefanten der Dzanga-Bai oder unser Gorilla-Tracking in den nächsten Artikeln.
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