von Christoph Engels, veröffentlicht in Lebensberatung
Woher kommen unsere Weihnachtsbräuche?
Erstmals urkundlich erwähnt wird Weihnachten im frühen 4. Jahrhundert. Die Geburt Jesu feierte man allerdings wohl schon früher. Den Geburtstag legte man auf das heidnische Fest der Wintersonnenwende und widmete dieses zum Geburtsfest des Erlösers um. Der früheste Beleg für das deutsche Wort "Weihnachten", das mit "Heilige Nacht" übersetzt werden kann, stammt aus dem Jahr 1170.
Kerzen an einem Kranz anzuzünden, ist ein relativ junger Brauch. 1839 kam der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern in Hamburg auf die Idee, an einem Leuchter 19 rote für die Werktage und vier dicke weiße Kerzen für die Sonntage anzubringen. Daraus entwickelte sich unser heutiger Kranz mit vier Kerzen für die Adventssonntage.
Noch jünger sind gedruckte Adventskalender. Der erste gedruckte erschien 1903, in den 1920er Jahren folgte die Version mit zu öffnenden Türen. 1958 gab es die ersten mit Schokolade gefüllten Türchen, wodurch der Adventskalender sehr populär und zum Massenartikel wurde.
Als ältester Weihnachtsmarkt Deutschlands gilt der seit 1434 bestehende Dresdner Striezelmarkt. Die mittelalterlichen Städte lebten von ihren Märkten, wo jahreszeitlich typische Produkte verkauft wurden. Vor Weihnachten war dies unter anderem Lebkuchen, der 1498 erstmals in Augsburg erwähnt wird.
Im Mittelalter hing man zu Weihnachten Misteln, Tannen- oder Eibenzweige auf als Zeichen des Lebens und wohl auch, um böse Geister zu vertreiben. Der erste Weihnachtsbaum stand 1419 im Freiburger Heilig-Geist-Spital. Er war mit Äpfeln, Nüssen und Lebkuchen behängt und durfte an Neujahr geplündert werden. Der Brauch, sich einen Tannenbaum ins Wohnzimmer zu stellen, setzte erst ab 1800 ein.
Krippen mit lebensgroßen Figuren, sog. Nativitas, wurden ab 1300 in Andachtsräumen eingerichtet. Ende des 15. Jahrhunderts entstanden in Kirchen die ersten Krippen, wie wir sie heute kennen, ab 1600 auch in Privaträumen. Den Höhepunkt der europäischen Krippenkunst bildet das Neapel des 18. Jahrhunderts.
Das Christkind entspringt keinem Volksbrauch, sondern einer Idee Martin Luthers. Statt des Heiligen Nikolaus brachte nun das Christkind den Kindern die Weihnachtsgeschenke. Der Grund: Die Protestanten lehnten die katholische Heiligenverehrung ab.
Nikolaus war Bischof von Myra (heute Türkei) und lebte in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Er wurde sowohl in der Ost- als auch Westkirche sehr verehrt. Als Kinderbischof, der Geschenke, aber auch Ermahnungen bringt, gelangte er bei uns ab dem Spätmittelalter zu großer Popularität.
Der Weihnachtsmann und seine amerikanische Variante Santa Claus gehen wohl beide auf den Heiligen Nikolaus zurück. Großen Anteil an seiner Verbreitung hat u. a. Hoffmann von Fallersleben mit seinem Lied "Morgen kommt der Weihnachtsmann" von 1835. Santa Claus' typisch rote Kleidung mit weißem Pelzbesatz rührt übrigens von einer großen Coca-Cola-Werbeaktion von 1932.
Im Mittelalter feierte man nur Weihnachtsmessen. Sich gegenseitig zu beschenken war nicht üblich. Unsere Geschenktradition kommt sehr wahrscheinlich vom Brauch des Adels, zu Weihnachten Essensspenden für die Armen auszugeben. Lange Zeit wurden nur die Kinder zu Weihnachten beschenkt. Zum Konsum- und Familienfest hat sich Weihnachten erst ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt.
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