von Christa Raatz, veröffentlicht in 50plus
Warten und das Drama des Wartens
Wo ist uns das Warten auf mehr Lebensfreude eigentlich früher schon einmal begegnet? Warten wir nicht jeden Winter wieder darauf, dass es endlich Frühling wird? Es gibt etliche Filmtitel, die sich mit dem Warten beschäftigen und immer ein Drama beinhalten, wie z. B. "Warten auf Godot". Oder auch in Liedern: "Wann wird es endlich wieder Frühling?" Aber auch in sehr vielen Kriegsfilmen finden wir das Drama des Wartens auf den Mann, der in der Ferne lebt und unerreichbar ist.
Haben sich die Frauen, die auf ihn warten, da etwas Unnützes abgeguckt oder sogar ein altes Programm ihrer Eltern oder Großeltern übernommen? Warten sie vergebens auf mehr Lebensfreude, indem sie auf den zweiten Frühling warten?
Warten aus Trauer
Aus der Geschichte der Kriegs-Generationen war das Warten auf den Mann mit dem Drama des Kriegsgeschehens verbunden. Mein Opa kam im Mai 1955 aus der russischen Spätgefangenschaft zurück und erst dann, nach 10 Jahren, hatte für meine Oma und ihre fünf Kinder das Warten ein Ende. Endlich wurde es wieder Frühling.
Endlich durfte sie offiziell wieder Lebensfreude zeigen. Ihr Drama war es, in totaler Unsicherheit zu leben und in ständiger Angst um den Mann. Dies erlaubte einfach keine Lebensfreude, jahrelang; und dies wurde durch das dazugehörige "schwarz tragen" auch deutlich gezeigt. Das Drama erreichte in meiner Familie seinen Gipfel, als meine Mutter sogar in schwarzer Kleidung heiratete - aus Trauer um ihren Vater.
Ein schlechtes Omen für die Beziehung? Es waren eben ganz andere Zeiten. Gott sei Dank sind diese Zeiten vorbei.
Warten auf Lebensfreude
Diese Dramen der Frauen von damals und ihr verzweifeltes Weinen um die Männer sind nicht spurlos an uns vorüber gegangen. Unbewusst beeinflusst es uns noch immer. Damals gab es aber immerhin einen recht realen Grund dafür, warum Frauen sich die Augen ausgeweint haben und keinen Frühling genießen konnten.
Wenn wir warten, führen wir irgendwo den Krieg in uns weiter, nur ohne Männer. Die halten wir damit höchstens auf Abstand zu uns. Wer will schon zu einer kommen, die wartet und noch nicht einmal weiß, worauf? Deshalb sollten wir uns auf uns besinnen und einen immer wieder kommenden Frühling bewusst wahrnehmen. Registrieren Sie einfach die inneren Verbote in Bezug auf Lebensfreude und führen Sie darüber ein Tagebuch.
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