von Natascha Ferara, veröffentlicht in Körper & Seele
Langsam aber sicher steigt der Schwierigkeitsgrad in dieser Serie mit dem Thema Achtsamkeit an. Die vorangegangenen Teile haben Ihnen bereits Einblicke gegeben, wie Sie Achtsamkeit entwickeln können und vielleicht haben Sie sogar schon Ihre ersten eigenen Erfahrungen machen können.
Der heutige Teil zum Thema Achtsamkeit erfordert allerdings noch mehr Wachsamkeit von Ihnen als bislang.
Typische Kommunikationsmuster bei fehlender Achtsamkeit
Kommunikation im ursprünglichen Sinne des Wortes bedeutet: mitteilen und teilnehmen lassen. Nun ist es aber leider so, dass die Verhaltensweisen, die wir heutzutage unter Kommunikation verstehen, nicht wirklich ein "Miteinander" zum Ziel haben.
Da wird dem anderen ins Wort gefallen, auf ein Argument sofort das Gegenargument gezückt, man versucht, verbal geschickter als der andere zu sein, die Wahrheit wird vielerorts außen vorgelassen und am Ende mag vielleicht jeder erleichtert sein, aber ein wahrer Austausch hat oft nicht stattgefunden.
Wenn wir jedoch Wert auf Achtsamkeit legen, dann verändern sich diese Verhaltensweisen automatisch und in aller Regel werden die Gespräche mit anderen Menschen wesentlich erfüllter und positiver. Grund genug also, Achtsamkeit auch in den Austausch mit anderen Menschen einzubringen.
Was bedeutet Achtsamkeit in der Kommunikation?
Bevor Sie anfangen, beim Sprechen Achtsamkeit entwickeln zu wollen, empfiehlt es sich, das Zuhören zu erlernen. Vielleicht erinnern Sie sich an einen Aufenthalt in einem Land, in dem eine andere Sprache gesprochen wird als Ihre Muttersprache. Dann kennen Sie bestimmt die folgende Situation: Sie hören andere Menschen miteinander sprechen und nehmen die verschiedenartigen Wörter wahr, die Sprachmelodie, die Lautstärke und vielleicht sogar unterschiedliche Emotionen.
Doch da die Situation nichts mit Ihnen zu tun hat und Sie noch nicht einmal verstehen, über was die Menschen da sprechen, hören Sie einfach zu, ohne das Gesagte innerlich zu kommentieren, gut oder schlecht zu heißen. Sie nehmen also einfach wahr, genauso wie es ein Mensch tun würde, der Achtsamkeit bereits entwickelt hat.
Der ideale Einstieg: Achtsamkeit beim Zuhören
Der erste Schritt ist also das Zuhören. Ohne zu interpretieren, ohne in Gedanken zu Gegenargumenten oder Bestätigungen zu eilen, sondern schlicht und einfach jedes Wort des Gegenübers wahrzunehmen.
Wenn Sie sich ertappen, dass Sie in Gedanken bereits am Argumentieren sind, dann holen Sie sich sanft, aber entschlossen wieder in die Gegenwart zurück und folgen den Ausführungen des anderen einfach weiter, indem Sie den Klang seiner Stimme wahrnehmen, die Lautstärke, mit der er spricht, und indem Sie bereit sind, sich überraschen zu lassen, von dem, was er sagen möchte, anstatt seinen Satz in Gedanken bereits selbst zu beenden.
Konzentrieren Sie sich einmal einen ganzen Monat lang nur auf das Zuhören und üben Sie zuerst bei einfacheren Gelegenheiten: Hören Sie den Vögeln zu, ohne das Gezwitscher mit ihren eigenen Gedanken zu kommentieren, lauschen Sie dem Regen, Ihrer Lieblingsmusik, dem Stürmen des Windes oder dem Knistern des Kaminfeuers.
Ziel ist es, mehr und mehr dahin zu gelangen, das jeweilige Geräusch tief in sich aufzunehmen, ohne dass auch nur ein einziger Gedanke Ihrerseits dabei stört. Übrigens sind auch positive Gedanken wie "Wie die Vögel heute wieder so schön singen" der Achtsamkeit abträglich, da auch sie sich wie ein Filter zwischen das Geräusch und Ihre Wahrnehmung legen und Ihnen somit ein kleiner Teil der Wirklichkeit entgeht. Wann immer Sie also innerlich die Geräusche im außen kommentieren, stoppen Sie sich selbst und intensivieren Sie Ihre Wahrnehmung.
Ihre Sinne sind dabei übrigens Ihre geheimen Helfer. Sie können entweder über etwas nachdenken oder aber mit Ihren Sinnen intensiv wahrnehmen. Beides zusammen zur gleichen Zeit funktioniert nicht. Wenn Sie nachdenken, entgeht Ihnen zugleich ein Teil Ihrer Empfindung und wenn Sie tief empfinden, stehen natürlicherweise die Gedanken für einen Moment still. Nutzen Sie diese Erkenntnis und intensivieren Sie Ihre Bemühungen, immer feinfühliger zu werden, anstatt den Fokus zu sehr auf Ihre Gedanken zu legen.
Lesen Sie im nächsten Teil der Achtsamkeitsserie, wie Sie Ihre Achtsamkeit in der Kommunikation auch auf das Sprechen selbst ausweiten können.
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