von Michael Schwellenbach, veröffentlicht in Arbeit & Beruf
Genau so wenig, wie ein Mensch "nicht kommunizieren" oder "nicht lernen" kann, kann er "nicht entscheiden". Eine Entscheidung kann man rational oder intuitiv treffen. Im Idealfall orchestriert die Entscheidungsfindung RATIO und EMOTIO.
Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass jede Entscheidung gegen eine Veränderung zugleich eine Entscheidung für die Beibehaltung des Status quo darstellt. Und damit ist auch jede aufgeschobene, nicht getroffene Entscheidung eine unausgesprochene und zum Teil unbewusste "Entscheidung" für die Beibehaltung des Status quo.
Entscheiden ist ein weites Feld. Es gibt große Lebensentscheidungen. Und es gibt Unmengen kleiner Alltagsentscheidungen, die wir im Vorbeigehen fällen, routiniert, in enormem Tempo. In der Summe und auf Dauer bestimmen sie unser Leben ähnlich stark wie die langfristigen Weichenstellungen.
"Entscheiden" ist lernbar
Besser im Sinne von schneller, objektiver, experimentierfreudiger oder überlegter zu entscheiden kann man lernen. Sofern man sich dafür entscheidet. Die große und wachsende Zahl möglicher Optionen eröffnet nicht nur Freiheiten, bedeutet aber zugleich, dass wir immer mehr Entscheidungen nicht nur treffen dürfen, sondern gleichzeitig auch treffen müssen.
Und wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass jede Nicht-Entscheidung faktisch eine Entscheidung gegen eine Veränderung und für die Beibehaltung des Status quo ist. Denn genauso wenig, wie ein Mensch "nicht kommunizieren" kann (P. Watzlawik) oder "nicht lernen' kann, kann er auch "nicht entscheiden".
Relativ einfache Entscheidungen
Eine Entscheidung zwischen einer guten und einer deutlich schlechteren Alternative zu treffen, ist dabei noch vergleichsweise einfach – jedes Nutzenkalkül, ausgefeilt oder "Pi mal Daumen" abgeschätzt, weist dabei die richtige Richtung.
Ebenso ist die Entscheidung zwischen zwei oder mehr schlechten Optionen relativ einfach: Wenn der Status quo beibehalten werden kann, sollte er beibehalten werden; in Fällen, wo dies nicht möglich ist, mag ein "stop-loss"-Kalkül die Richtung zu der am wenigsten schmerzhaften Variante weisen.
Und richtig schwierige Entscheidungen
Richtig schwierig werden hingegen Entscheidungen zwischen mehreren einander ausschließenden Optionen, die jede für sich positiven Nutzen oder Unterstützung bei der individuellen Zielerreichung versprechen – und das in unterschiedlichen Dimensionen.
Jede Entscheidung für eine der Optionen bringt unweigerlich den Verzicht auf den Nutzen aller anderen Möglichkeiten mit sich. Betriebswirtschaftlich ist dieser entgangene Nutzen als Opportunitätskosten zu werten.
In einer solchen Situation ist Entscheiden echter Stress. Aufgrund dieser Unsicherheit und Angst, neigen wir dazu, Entscheidungen hinauszuzögern. Potenziell ist schließlich alles möglich, aber nur solange man sich noch nicht festgelegt hat. Auf andere mögliche Ursachen für Attentismus und Aufschieberitis wird an anderer Stelle näher eingegangen.
Entscheider-Typen
Es gibt vier Idealtypen von Entscheidern:
Glücklicherweise sind die wenigsten Menschen reinrassig einem dieser Entscheider-Typen zugeordnet. Je ausgewogener die Mischung aus verschiedenen Entscheider-Typen in einer Person, umso größer die Chance, zu rational-emotional ausgewogenen Entscheidungen zu kommen. Wer eindeutig einem Typus zugeordnet ist oder sich zugehörig fühlt, sollte bewusst die anderen Seiten im inneren Dialog auch angemessen zu Wort kommen lassen.
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Mein Name ist Michael Schwellenbach. Ich bin Ihr Experte für Arbeitsmarkt, Beschäftigungsfähigkeit, Methoden- und Sozialkompetenz.