von Katrin Steinberg, veröffentlicht in Konfliktmanagement
Wann ist der richtige Zeitpunkt, einen Mediator einzuschalten?
Tatsache ist: Die allerwenigsten Konflikte lösen sich von selbst. Wenn Sie in einer Konfliktsituation untätig bleiben, eskaliert die Situation erfahrungsgemäß weit öfter, als dass sie sich von selbst entspannt. Denn der Konflikt bezüglich eines Themas weitet sich – vergleichbar mit Bakterien – schnell auch auf andere Themenbereiche aus, wodurch dann unter Umständen auch noch andere Personen in den Konflikt mit hereingezogen werden.
Woran das liegt? Daran, wie menschliche Kommunikation "gestrickt" ist!
Der bekannte Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick hat herausgearbeitet, dass jede Kommunikation auf zwei Ebenen stattfindet: Zum einen auf der Sachebene, auf der sachliche Informationen übermittelt werden, und zum anderen auf der zwischenmenschlichen Beziehungsebene. Diese Ebenen greifen untrennbar ineinander: Je besser die Beziehungsebene funktioniert, desto exakter und schneller fließen die Informationen hin und her.
Nistet sich aber auf der Beziehungsebene ein Widerstand in Form eines Konfliktes ein, wird der Widerstand – vergleichbar mit einer Thrombose, die eine Vene verstopft – immer größer, wenn er nicht irgendwann einmal beseitigt oder zumindest ein bisschen eingedämmt wird.
Das kann so weit gehen, dass ein sachlicher Informationsaustausch gar nicht mehr möglich ist. Und das kann dann die "lebensgefährliche Embolie" auslösen, die zum Abbruch der Geschäftsbeziehung, zum Wechsel des Arbeitsplatzes, zur Auflösung des gemeinsamen Unternehmens und zu der Aufkündigung von Familienbanden führen kann.
In diesem Trennungsprozess entstehen früher oder später wiederum neue Konflikte, die dann nicht selten nur noch mithilfe staatlicher Gerichte in jahrelangen Verfahren bewältigt (aber nicht gelöst!) werden können. Es entwickelt sich eine Lawine, die Nerven, Zeit und Geld kostet und nichts als einen Scherbenhaufen hinterlässt. Das können Sie vermeiden, indem Sie Konflikte frühzeitig anpacken und konstruktiv lösen.
Vor diesem Hintergrund ist es an sich "logisch", wenn Sie sich frühzeitig an einen Mediator wenden. Gleichzeitig ist es aber auch "psycho-logisch", wenn Sie diesen Schritt scheuen. Denn einen Konflikt offen anzusprechen, bedeutet oft auch, dem anderen die eigene Verletzlichkeit einzugestehen. In dieser Situation kann es für Sie leichter sein, sich an einen Mediator zu wenden, der auch als Coach ausbildet und tätig ist.
Mit diesem können Sie dann besprechen, ob es wirklich notwendig ist, einen Konflikt offen anzusprechen. Manchmal reicht es nämlich schon, wenn man in einem Coaching das eigene Verhalten reflektiert und ändert, um die Situation zu entspannen.

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