von Patrik Berend, veröffentlicht in Unternehmensstrategie
Erfahrungskurve seit den 20er Jahren
Die Erfahrungskurve wurde erstmals in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts im US-amerikanischen Flugzeugbau beschrieben. Sie besagt, dass bei einer Verdoppelung der kumulierten Ausbringungsmenge die Stückkosten um 20-30 % sinken können. In den 70er Jahren hat dann die Boston Consulting Group im Zusammenhang mit der Entwicklung der BCG-Matrix das Erfahrungskurvenkonzept weiterentwickelt und erfolgreich als Strategieinstrument vermarktet.
Economies of Scale: So können Sie den Effekt der Erfahrungskurve nutzen
Den Erfahrungskurveneffekt (auch: Skaleneffekt, economies of scale) können Sie nutzen, wenn es Ihnen gelingt, niedrigere Erzeugungskosten je Produktionseinheit mit steigender Ausbringungsmenge zu realisieren. Diese Kostensenkung (Kostendegression) können Sie erreichen, wenn Sie Ihre Fixkosten auf eine wachsende Produktionsmenge verteilen. Hier liegt für Sie das Potenzial der Kostenführerschaft in Ihrer Branche ("big is beautiful").
Basis für diese Vorteile sind Lernprozesse in Ihrem Unternehmen. Das Konzept der Erfahrungskurve besagt, dass die Erfahrung in der Produktion und im Management mit zunehmender Ausbringungsmenge steigt.
Unternehmenszusammenschlüsse: Kostensenkung durch Verbundeffekte
Anders als die Skaleneffekte (economies of scale) handelt es sich bei den Verbundeffekten (economies of scope) um realisierbare Synergien durch Zusammenschlüsse von Unternehmen oder Unternehmensbereichen. Wenn Sie zur Produktion Ihrer Produkte gemeinsame Ressourcen verwenden, können Sie die Stückkosten der Produktion senken. Dies trifft vor allem auf Segmente zu, die sich ähneln oder überschneiden.
Synergien können Sie vor allem dann nutzen, wenn diese Bereiche
Bewertung der Erfahrungskurve für Ihre Unternehmenspraxis
Das Konzept der Erfahrungskurve führt nicht in jedem Fall zum Erfolg. Das Postulat "big is beautiful" wurde durch die hohe Bürokratisierung in großen Konzernen oft widerlegt. Eine Strategiebetrachtung, die sich zu einseitig am Effekt der Erfahrungskurve orientiert, gilt heute als überholt.
Kostenführerschaft wird heute vielfach nicht mehr durch Economies of Scale and Scope erzielt, sondern durch strategisches Outsourcen an Partnerunternehmen mit günstigeren Kostenstrukturen, z. B. in Indien oder China. Vor allem sollten Sie bedenken, dass die Erfahrungskurve immer nur eine potenzielle Kostensenkung postuliert. Wenn Sie nicht alle Möglichkeiten zu Kostensenkungen (z. B. auch die Einsparung von Personalkosten oder die Aufkündigung von lange bestehenden Lieferantenbeziehungen) nutzen wird Ihnen das Konzept keinen Erfolg bringen.
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