von Jan Thomas Otte, veröffentlicht in Management
Hebräisch, Griechisch und Latein. Nach dem Pauken dieser Ursprachen, ihrer Exegese und Dogmatik, suchte ich ein Gegengewicht zum "numinosum et fascinosum" im weiten Horizont der Theologie. An der BWL faszinierten mich das geradlinigere Curriculum, die Einfachheit mancher Management-Modelle, ob Kostenrechnung oder Strategieplanung.
BWL als Werkzeugkasten für Geisteswissenschaftler im Management
Neben dem BWL-Fernstudium besuchte ich mehrere Workshops, um nach dem großen Überblick das Gelernte in der Praxis umzusetzen, spezifischere Case-Studies zu "knacken". Dazu besuchte ich Unternehmensberatungen in Strategie-Fragen. McKinsey & Company mit "Passion Wanted" war meine erste Station.
In einem interdisziplinären Team erhöhten wir die Profitabilität eines Weingutes, ohne - wie oft üblich - nur die Personalkosten zu senken. Es folgten weitere Recruiting-Events wie zum Beispiel die CEO Challenge von Booz&Company, die jährlich stattfinden.
Symposien zum aktuellen Thema der Wirtschaftskrise besuchte ich an den Business-Schools. Zuerst in der Schweiz das St. Gallen Symposium ("Globaler Kapitalismus und lokale Werte" und "Unternehmer, Agenten des Wandels"), in Deutschland die Zeppelin University am Bodensee ("Corporate Citizenship and Strategy") oder die European Business School in Oestrich-Winkel ("Rethink Capitalism").
In Princeton oder Yale besuchte ich Think-Tanks, um abseits von Glanz und Glamour des Managements über den eigentlichen Sinn des Wirtschaftens nachzudenken (Bericht: Manager-Magazin). Diese Mischung von Wissen ist spannend - und "bringt" sogar etwas.
BWL als Fernstudium lernen, Lebenslauf nicht 0-8-15
Ökonomisch spricht man vom Finden der eigenen Nische, der Unique Selling Proposition, etwas Bestimmtes besser als die Konkurrenz zu tun. Auch das Finden weiterer Standbeine kann glücklich machen, wenn man anderen Menschen etwas Gutes tut. Die Motivation entscheidet, wenn ich weiß, wofür ich Powerpoint-Präsentationen und Klausuren pauke.
Sind Geisteswissenschaftler bessere Manager?
Äußerst reizvoll für Absolventen ist es, nicht in Schubladen hinein gequetscht zu werden. Manchmal ist es aber auch stressig, einen vorgefertigten oder "geklonten" Lebenslauf zu haben, wie mir eine Recruiterin neulich sagte.
Geistenswissenschaftler im Management: Menschenkenntnis als Alleinstellungsmerkmal?
Anreizsysteme finden sich sowohl in der Geisteswissenschaft als auch der Ökonomie. In der Anwendung sieht das natürlich etwas anders aus. Viele High Potentials fragen zuerst nach ihrer Karriere, dann nach der Reflexion des vorherrschenden Systems. Berthold Brecht sagte es in seiner Dreigroschenoper so: "Erst kommt das Fressen, dann die Moral".
Menschenkenntnis zählt also. Und Geisteswissenschaftler können damit punkten. Betrachtet man die Halbwertszeit in unserer Wissensgesellschaft, sehe ich für Karrieren von Geisteswissenschaftlern in der Wirtschaft eigentlich keine Nachteile.
Selbst der Unternehmensberatungs-Chef von Roland Berger, Burkhard Schwenker hat erkannt, dass rechnende Philosophen ein Vorteil sein können. BWL-Studis sollten ebenso wie Theologen ihren Lebenslauf erklären. Immerhin haben sie alle ein Abitur gemacht, mussten sich für ein Fach entscheiden. Ersteres dauerte 12 Jahre, letzeres heute nur 3 Jahre zum Bachelor.
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Mein Name ist Jan Thomas Otte. Ich bin Ihr Experte für Arbeit & Beruf, Religion und Wirtschaft.