von Klaus Neumann, veröffentlicht in Kommunikation
Angst vor einem Gespräch mit einem Vorgesetzten muss nicht sein.
Etliche MitarbeiterInnen haben so viel Angst oder Respekt vor ihrem Vorgesetzten, dass sie Gesprächen möglichst aus dem Weg gehen wollen. Alleine der Gedanke an eine persönliche Vier-Augen-Unterhaltung bereitet Ihnen körperliches Unbehagen und seelischen Druck.
Diese Menschen sind meist deswegen ziemlich unsicher, weil sie Angst davor haben, etwas Falsches zu sagen, das den Chef verärgern könnte oder sie wissen einfach nicht, wie sie über Probleme und Unzufriedenheiten sprechen sollen. Andere denken sich: "Wenn ich mit meinem Vorgesetzten spreche, erhalte ich bestimmt noch mehr Arbeit aufgebrummt." Und zuletzt ist da natürlich die tiefsitzende Angst vor einem Tadel.
Mein persönlich wichtigster Rat zuerst: Wenn Sie nervös sind, dann sind Sie es eben. Menschen, die krampfhaft versuchen, ihre Nervosität und Unsicherheit zu verbergen, wirken meistens nur nicht authentisch und arrogant. Ihre Nervosität ist eine Energie, die es gilt in die richtige Bahnen zu lenken. In meiner langjährigen Tätigkeit als Schauspieler und Stimm- und Charismatrainer bin selbst ich nicht vor einem gewissen Lampenfieber gefeit, wenn z. B. eine Premiere ansteht.
Wir Schauspieler verwenden dabei gerne professionelle Techniken, welche uns helfen, diese nervöse Energie in konzentrierte positive Energie umzuwandeln. Diese Techniken können Ihnen genauso helfen, mit derartigen unangenehmen Situationen leichter umgehen zu können.
Eine besonders wirkungsvolle Technik heißt: "Sein inneres Kind willkommen heißen". Erinnern Sie sich kurz vor dem Gespräch mit dem Vorgesetzten an die Zeit Ihrer Kindheit, als Sie in vielen Situationen einfach so sein konnten, wie Sie sind und zum Beispiel frei und unbeschwert lauter Blödsinn machen konnten.
Vielleicht haben Sie damals unheimlich viel Spaß daran gehabt, anderen Kindern oder Erwachsenen die Zunge rauszustrecken und verrückte und anarchische Grimassen zu schneiden. Gehen Sie vor der Unterredung in einen Raum, in dem Sie eine kleine Weile ungestört sein können. Stellen Sie sich dort vor einen Spiegel und machen Sie mit sich selber die wildesten Grimassen.
Strecken Sie sich weit die Zunge heraus, äffen Sie jemanden nach, den Sie nicht mögen, verrenken Sie Ihre Glieder. Seien Sie kurz wieder das unbeschwerte Kind, das Sie mal waren. Genießen Sie Ihren aufkommenden Übermut und lassen Sie die aufkommenden positiven Gefühle zu.
Diese Technik baut im Körper unmittelbar den Stress ab und die vorhandene aufgestaute nervöse Energie kann sich auflösen, statt wie ein Dampfkessel unter extremen Druck in Ihnen zu brodeln. Selbstverständlich wird nicht in jeder Firma ein abgeschlossener Raum zu finden sein, in dem Sie ungestört Ihre Faxen machen können. Gehen Sie notfalls einfach auf die Toilette und nehmen einen kleinen Handspiegel mit.
Diese Routine des "inneren Kindes" ist effektiver, wenn Sie dabei Geräusche machen können wie ein kräftiges "Bäääh!", aber erforderlichenfalls funktioniert sie auch ohne Töne.
Wenn Ihnen diese Technik aus irgendwelchen Gründen überhaupt nicht möglich ist: Atmen Sie einfach einige Male tief ein und (ganz wichtig!) tief wieder aus. Auch dadurch gelangen Sie zu einer inneren Ruhe und Gelassenheit.
Eine allbekannte weitere Technik ist es, sich sein Gegenüber zum Beispiel in Unterhosen vorzustellen. Ich selber rate nur bedingt zu dieser Routine, da durch derartige Vorstellungen die innere nervöse Energie nicht wirklich abgebaut werden kann. Andere wiederum sind von dieser Technik überzeugt. Probieren Sie einfach aus, womit Sie am besten zurechtkommen.

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