von Christoph Engels, veröffentlicht in Bewerbungen
Sie sind zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen? Auf die typischen Fragen können Sie sich vorbereiten.
Geben Sie einen kurzen, aussagekräftigen Überblick, ohne sich in Details zu verzetteln. Beginnen Sie mit Ihrem aktuellen beruflichen Status quo und gehen Sie dann abschnittsweise (wie in Ihrem Lebenslauf) zurück. Halten Sie sich zunächst mit Ihrem Privatleben zurück, es sei denn, man fragt Sie danach.
Über Ihre privaten Verhältnisse, etwa Ihre Wohnsituation oder Partnerschaft, müssen Sie keine Auskunft geben (siehe unten "Unzulässige Fragen"). Berichten Sie über Ihre Interessen und Hobbys. Erwähnen Sie keine gefährlichen Hobbys mit hoher Verletzungsgefahr. Werden Sie nicht zu ausführlich.
Wiederholen Sie hier ihre Aussagen aus dem Anschreiben. Werden Sie detaillierter und auch emotionaler. Mindestens genauso wichtig wie Ihre sachlichen Inhalte sind hier alle non-verbalen Signale (Stimme und Tonlage, Mimik, Gestik und Körpersprache), die Ihre Aussagen positiv begleiten und belegen.
Hier möchten das Unternehmen bzw. seine Vertreter gelobt werden. Führen Sie alle positiven Eigenschaften des Unternehmens auf, aber übertreiben Sie nicht. Formulieren Sie beispielsweise: "Ihr Unternehmen ist dafür bekannt, dass ...". Oder: "Sie genießen den Ruf, ein ... ."
Bitte jetzt nicht, selbst wenn er stimmt, den Standardsatz bringen: "Ich suche neue Herausforderungen." Sagen Sie es anders, auf Ihre Weise. Sie dürfen Ihren momentanen Arbeitgeber in nachvollziehbaren Maßen kritisieren, z. B.: "In meiner jetzigen Position sehe ich wenig Entwicklungsmöglichkeiten." Machen Sie auf keinen Fall Ihren jetzigen Arbeitgeber oder die Kollegen schlecht. Lamentieren Sie nicht.
Bleiben Sie unbedingt realistisch. Erwarten Sie nicht den Himmel auf Erden. Das setzt Ihre potentiellen Arbeitgeber unter Druck und Sie erscheinen als ein Träumer. Äußern Sie vorsichtige Erwartungen, etwa in der neutralen Formulierung: "Ich könnte mir vorstellen, dass ...".
Auch hier bitte realistisch bleiben, lassen Sie jedoch Ehrgeiz und Engagement unbedingt erkennen. Sagen Sie beispielsweise diplomatisch: "In meiner bisherigen beruflichen Laufbahn habe ich immer erlebt, dass Engagement belohnt wird. Vielleicht nicht sofort, aber mittel- und langfristig immer."
Auf diese Standardfrage müssen Sie vorbereitet sein. Nennen Sie drei Erfolgsbeispiele. Erzählen Sie, wie Sie vorgegangen sind und welches Ergebnis Sie erzielten. Bleiben Sie sachlich und loben Sie sich nicht explizit, das leisten Ihre Erfolgsgeschichten automatisch.
Achtung Fangfrage. Fangen Sie jetzt nicht an, ausführlich über Ihre großen Schwächen zu berichten. Das müssen Sie nicht und das erwartet auch niemand. Berichten Sie von Fehlern, aus denen Sie konkret etwas gelernt haben. Auch diese Antwort müssen Sie vorbereiten.
Wieder eine Fangfrage. Vorsicht vor zu großem Selbstlob. Nennen Sie vor allem berufsrelevante Charaktereigenschaften wie Hartnäckigkeit, Stress-Resistenz oder auch Analysefähigkeit. Führen Sie für jede Eigenschaft ein kurzes Beispiel an.
Um diese Frage zu beantworten, müssen Sie sich vorab nach den üblichen Gehältern in der Firmen bzw. Branche erkundigt haben. Je nach Ihrer Verhandlungsposition (Will die Firma unbedingt Sie oder umgekehrt?), können Sie etwas darauf schlagen oder Abschläge machen.
Klassische Abschlussfrage. Wiederholen Sie noch einmal alle Kernnutzen-Argumente aus Ihrem Anschreiben, die für Sie sprechen, plus alle Argumente, die sich aus dem Bewerbungsgespräch ergeben haben.
Folgende Fragen sind unzulässig und generell rechtswidrig:
Da die Nicht-Beantwortung oft zu einem Gesprächsabbruch führt, dürfen Sie als Bewerber bewusst falsch antworten, ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen. Eine andere Möglichkeit ist es, je nach Gesprächsklima, offensiv entsprechende Fragen mit den Worten zurückzuweisen: "Sie wissen doch, dass diese Frage rechtlich unzulässig ist."
Lächeln Sie, machen Sie eine Pause und warten Sie ab, wie Ihr Gesprächspartner darauf reagiert. In der Regel wird es sich dafür entschuldigen. Dringt er weiter auf Sie ein oder stellt er mehrere unzulässige oder unfaire Fragen, sollten Sie sich von ihm verabschieden. Denn nicht das Unternehmen prüft Sie, Sie prüfen auch das Unternehmen. Viel Erfolg!

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Mein Name ist Dr. Christoph Engels. Ich bin Ihr Experte für Kommunikation.